Startup Ghana Chocolate

Ein neues Narrativ schaffen

Ein neues Narrativ schaffen

Das Berliner Startup Manuyoo hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Teil zur Lösung eines der Hauptprobleme Afrikas beizutragen: mangelnde Wertschöpfung, die zu Abhängigkeiten im Rohstoffhandel führt. Daher bietet Manuyoo Unternehmen aus unserem Nachbarkontinent die Möglichkeit, ihre Waren in Deutschland zu vertreiben.

17.01.2021

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Das Label Made in China gehört zu unserem Alltag – auch Produkte Made in Bangladesh oder Made in India sind keine Seltenheit. Aber Made in Ghana oder Made in Kenya? Manuyoo – ein Berliner Startup, hat es sich mit dem Motto „Trade Not Aid“ – „Handel statt Hilfe“ zum Ziel gesetzt, einzelnen Unternehmen aus möglichst vielen afrikanischen Ländern zu ermöglichen, ihre Waren Made in Africa auch auf dem deutschen Markt anzubieten.

Manuyoo Team
Gründer und aktuelle Mitarbeiter von Manuyoo © Alexandra Ngandeu

Handel mit Afrika

Im Jahr 2018 betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und allen afrikanischen Ländern zusammengenommen lediglich 45 Milliarden Euro.1 Das klingt zunächst nach gar nicht so wenig, aber: Würde man Afrika als Land betrachten, so läge die Gesamtbilanz im Vergleich mit anderen Nationen damit immer noch nur auf Rang 15 hinter Russland und Ungarn. Fast die Hälfte dieses Handelsvolumens entfiel zudem auf das relativ industrialisierte Schwellenland Südafrika2 – ein Land, welches aufgrund seiner Geschichte kaum mit dem Rest des Kontinents vergleichbar ist.

Eine der Ursachen und das Hauptproblem dessen liegt in der kaum vorhandenen Wertschöpfung auf dem Kontinent. Seit dessen gewaltsamer Integration in die Weltwirtschaft durch die europäischen Kolonialmächte hat sich daran nur wenig verändert.3 Über 65 Prozent der Exporte aus Afrika sind unverarbeitete Lebensmittel und Rohstoffe.4 Die wichtigsten Exportgüter der Großregion Westafrika beispielsweise sind Kakao, Cashew und Baumwolle mit einem Anteil von über 50 Prozent der Gesamtexporte.5 Auch Bodenschätze wie Gold, Erdöl oder Diamanten spielen für viele afrikanische Volkswirtschaften eine wichtige Rolle. Hier ist häufig vom „Ressourcenfluch“ die Rede, da die Förderung von Rohstoffen nur wenige Arbeitsplätze schafft, Verteilungskonflikte fördert und zu Inflation führen kann, was sich wiederum schlecht auf die Exportproduktion anderer Wirtschaftszweige auswirkt.3

Handel mit Afrika

Im Jahr 2018 betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und allen afrikanischen Ländern zusammengenommen lediglich 45 Milliarden Euro.1 Das klingt zunächst nach gar nicht so wenig, aber: Würde man Afrika als Land betrachten, so läge die Gesamtbilanz im Vergleich mit anderen Nationen damit immer noch nur auf Rang 15 hinter Russland und Ungarn. Fast die Hälfte dieses Handelsvolumens entfiel zudem auf das relativ industrialisierte Schwellenland Südafrika2 – ein Land, welches aufgrund seiner Geschichte kaum mit dem Rest des Kontinents vergleichbar ist.

Eine der Ursachen und das Hauptproblem dessen liegt in der kaum vorhandenen Wertschöpfung auf dem Kontinent. Seit dessen gewaltsamer Integration in die Weltwirtschaft durch die europäischen Kolonialmächte hat sich daran nur wenig verändert.3 Über 65 Prozent der Exporte aus Afrika sind unverarbeitete Lebensmittel und Rohstoffe.4 Die wichtigsten Exportgüter der Großregion Westafrika beispielsweise sind Kakao, Cashew und Baumwolle mit einem Anteil von über 50 Prozent der Gesamtexporte.5 Auch Bodenschätze wie Gold, Erdöl oder Diamanten spielen für viele afrikanische Volkswirtschaften eine wichtige Rolle. Hier ist häufig vom „Ressourcenfluch“ die Rede, da die Förderung von Rohstoffen nur wenige Arbeitsplätze schafft, Verteilungskonflikte fördert und zu Inflation führen kann, was sich wiederum schlecht auf die Exportproduktion anderer Wirtschaftszweige auswirkt.3

Die Idee hinter Manuyoo

Das Startup steht dabei gerade erst am Anfang: Bis November 2020 sammelte es das notwendige Startkapital über eine Crowdfunding-Kampagne und baute damit seinen Webshop auf, der seit Mitte Dezember online ist. Von der Idee bis dahin verging laut der Mitbegründerin des Unternehmens Alexandra Ngandeu, mit der wir für diesen Artikel gesprochen haben, lediglich ein Jahr – „Wenn man denn etwas erreichen will, kann man’s denn hinkriegen!“ Alexandra, die selbst kamerunische Wurzeln hat, in Paris geboren ist und in Deutschland studiert hat, fühlt sich dem Kontinent aufgrund ihrer eigenen Geschichte verbunden und sagt über ihre Motivation: „Ich wollte mal die Welt verändern, hab‘ aber am Ende gesehen, so schnell kann ich die Welt nicht verändern, bin dann ganz normal arbeiten gegangen und ja, das lässt einen nicht los und irgendwann denkt man ok jetzt muss ich doch noch was tun!“

Der Ansatz Handel statt Hilfe soll bereits bestehende Konzepte ergänzen. Im Hinblick auf die klassische Entwicklungshilfe betont Alexandra: „Wenn wir wollen, dass unser Nachbar sich gut fühlt, dann sollten wir ihn auf Augenhöhe betrachten und nicht nur helfen und sagen: Hier hast du Geld, das kannst du tun.“

Manuyoo ist mit seiner Idee Vorreiter in Deutschland. Dabei grenzt es sich von etablierten Konzepten wie Fair Trade oder Weltläden bewusst ab. „Man soll nicht ein Produkt kaufen, um jemandem zu helfen. Man soll ein Produkt kaufen, weil es einem gefällt. Und wenn dann noch dazu kommt, dass man jemandem „hilft“, weil damit Arbeitsplätze gesichert werden, dann haben wir unser Ziel erreicht.“ Manuyoo geht es darum, neue Bilder von Afrika zu transportieren und zu etablieren. „Wir wollen einfach auf die Qualität der Produkte setzen, auf neue Geschmacksrichtungen, die die Leute noch nicht kennen und auch mal zeigen, dass die Leute, die diese Schokoladenmanufaktur haben, tatsächlich genauso arbeiten wie jemand, der hier eine Schokoladenmanufaktur hat und das ist die Hauptidee dahinter.“  Damit spielt Alexandra auf 57 Chocolate an, eines der Partnerunternehmen von Manuyoo, welches Schokolade Made in Ghana herstellt und damit das Potential hat, einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung im Land beizutragen. Ghana ist das Land mit der zweitgrößten Kakaoproduktion weltweit. Die Verarbeitung des dort angebauten Kakaos erfolgt bisher aber zu über 80 Prozent im Ausland, lediglich fünf Prozent der Wertschöpfung in der Schokoladenherstellung verbleibt vor Ort.6

Chocolate Ghana
Schokolade Made in Ghana – Warum nicht? © Alexandra Ngandeu

Alexandra sieht in Manuyoo eine Plattform, die es kleinen und mittelständischen afrikanischen Unternehmen ermöglichen soll, ihre Produkte in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig die Geschichte hinter dem Produkt zu erzählen, fernab der typischen Afrika-Klischees. Dazu hat Manuyoo auch ein eigenes Magazin entwickelt: „Hier wollen wir den Leuten erklären, woher das Produkt kommt – damit sie sich selbst ein Bild machen und damit wir mit diesem Bild von Afrika so richtig brechen können. Wir sagen, es gibt viel mehr als nur Hunger und Krieg und alles was es so Negatives auf dieser Erde gibt. Es gibt tatsächlich Leute, die haben ein Unternehmen, haben so und so viele Mitarbeiter, schaffen Arbeitsplätze und haben einfach coole Produkte.“

Enda Running Shoes
Laufschuhe des kenianischen Unternehmens Enda – eine Alternative zu Nike oder Puma? © Alexandra Ngandeu

Neben diesem Aspekt liegt eine der Aufgaben und Herausforderungen Manuyoos darin, die Partner dabei zu unterstützen, europäische Importverordnungen einhalten zu können und Qualitätsstandards zu erfüllen. Alexandra dazu: „Da sind oder können Schwierigkeiten für Unternehmen sein. Aber da stehen wir ihnen beiseite und erklären genau, welche Qualitätsansprüche wir haben wollen und meistens ist es so, dass sie dann tatsächlich alles in Gang setzen, um diese Qualitätsstandards zu erreichen.“ Diese sogenannten nicht-tarifären Handelshemmnisse, die sich in der Europäischen Union auf über 2000 belaufen und eine steigende Tendenz haben, stellen vor allem Unternehmen aus den ärmeren afrikanischen Ländern vor fast unlösbare Herausforderungen, wenn sie ihre Produkte in die EU exportieren wollen. Und das nicht deswegen, weil die qualitativen Anforderungen nicht erreicht werden könnten, sondern weil die erforderlichen Kenntnisse über europäische Richtlinien nicht vorhanden, und damit die bürokratischen Hürden kaum überwindbar sind.7

Derzeit ist das Angebot im Webshop noch auf einige wenige Produkte beschränkt. Manuyoo verfügt über sechs Partnerunternehmen aus vier verschiedenen Ländern. Von Laufschuhen aus Kenia, über Schokolade aus Ghana bis hin zu Palmenlikör aus Benin ist die Produktpalette aber bereits ansehnlich und soll in naher Zukunft weiter ausgebaut werden. Auch Pop-Up Stores sind in Planung.4

Wer mehr über Manuyoo oder dessen afrikanische Partner wissen möchte, kann sich hier informieren: https://www.manuyoo.world/

Quellen

  1. Deutsche Welle: Afrika macht deutsche Firmen neugierig (31.08.2019), abgerufen unter https://www.dw.com/de/afrika-macht-deutsche-firmen-neugierig/a-50229601. Zuletzt besucht am 07.01.2021.
  2. Statistisches Bundesamt (Destatis): Außenhandel – Rangfolge der Handelspartner im Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland (endgültige Ergebnisse) 2019 (05.11.2020), abgerufen unter https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/Tabellen/rangfolge-handelspartner.pdf?__blob=publicationFile. Zuletzt besucht am 07.01.2021.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Rohstoffe für den Export (05.12.2005), abgerufen unter https://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/58972/rohstoffe-fuer-den-export?p=all.
    Zuletzt besucht am 07.01.2021.
  4. Business Spirit Platform: Berlin-based start-up brings upcoming African brands to the European market, abgerufen unter https://business-spirit.org/news/berlin-based-start-up-brings-upcoming-african-brands-to-the-european-market.

    Zuletzt besucht am 07.01.2021.

  5. Hapag-Lloyd: „Afrika ist immer noch ein Wachstumsmarkt“ – Interview mit der Vishal Bundhun, Area Westafrika (01.12.2020), abgerufen unter https://www.hapag-lloyd.com/de/news-insights/insights/2020/12/–we-want-to-double-volumes—–interview-with-the-head-of-area-.html. Zuletzt besucht am 07.01.2021.
  6. Wirtschaft in Afrika (Katja Scherer): Kakaoanbau in Ghana: Vom Rohstoff-Lieferanten zum Schokoladen-Hersteller (06.07.2020), abgerufen unter https://wirtschaftinafrika.de/kakaoanbau-in-ghana/. Zuletzt besucht am 08.01.2021.
  7. Spiegel Online: Entwicklungshilfeminister Gerd Müller will EU-Märkte für Afrika öffnen (08.08.2018), abgerufen unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/entwicklungshilfeminister-gerd-mueller-will-die-eu-maerkte-fuer-afrika-oeffnen-a-1222277.html. Zuletzt besucht am 07.01.2021.

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