Die Kraft des Ausdruckstanzes

Die Kraft des Ausdruckstanzes

Covid-19 als Quelle der Inspiration?

Tänzer und Unternehmer Nduhira Ismail Athilai aus Uganda inspiriert mit seiner Tanzperformance und berichtet über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kunst und Kulturszene.

24.11.2020

Uganda

Hauptstadt: Kampala
Sprachen: mehr als 50 gesprochene Sprachen; Amtssprachen sind Englisch und Swahili
Bevölkerung: ca. 43 Millionen

Schon gewusst?

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Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kunst- und Kulturszene sind überall auf der Welt zu spüren. Museen, Theater und Kulturdenkmäler werden geschlossen; Live-Auftritte, Ausstellungen und Festivals finden nicht mehr statt. Eine riesige Branche, die weltweit Millionen Menschen beschäftigt, ist in Gefahr. Um aus der schwierigen Situation das Beste zu machen, greifen zahlreiche Künstler*innen auf soziale Medien und das Internet zurück. Unter ihnen der ugandische Tänzer und Unternehmer Nduhira Ismail Athilai: In einem kurzen Video inszeniert er tänzerisch eine Antwort auf die Pandemie. Wir hatten die Gelegenheit, ein Interview mit ihm zu führen und so aus erster Hand Einblicke in das Tanzprojekt und Informationen über die Situation vor Ort zu erhalten. Aber lass dich zuerst von seinem kurzen Video inspirieren:

Über den Künstler

Um seine Aufführungen facettenreich zu gestalten, kombiniert Athilai traditionelle und experimentelle afrikanische Tanzbewegungen (Wuvaga) mit Urban Dance Styles wie Hip-Hop und Breakdance sowie mit Contemporary und Jazz Dance. Jede Aufführung erzählt eine Geschichte oder vermittelt eine wichtige Botschaft. Er bedient sich dabei eines biographischen Ansatzes und verfolgt das übergeordnete Ziel, einen positiven Wandel in der Gesellschaft hervorzurufen. Neben seinen Auftritten und dem Entwerfen neuer Choreografien, folgt Athilai zudem seiner Leidenschaft für den Wissens- und Erfahrungsaustausch, indem er Tanzstunden gibt und monatliche Workshops in verschiedenen Teilen Ugandas hält. Seine Motivation entspringt von den Teilnehmenden selbst:

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Ich bin wirklich sehr inspiriert von den Menschen, die mich umgeben, von ihren Bewegungen, ihrer Art in ihrem Umfeld zu leben. Ich habe so viel von ihnen gelernt.

Nduhira Ismail Athilai

Außerdem gründete er ein community-basiertes Tanzprojekt in Kampala mit dem Namen Wuvaga Dance Movements. Wuvaga bedeutet so viel wie “Macht euch bereit”. Das Projekt bietet eine Plattform für einen kreativen Austausch durch Tanz und Kunst sowie eine Gelegenheit, sozialpolitische Themen gemeinsam zu reflektieren.

Nduhira Ismail Athilai, Bildquelle: Nduhira Ismail Athilai

Movement Beyond Borders

Die Idee des obigen Videos entstand im Kontext eines Kurzfilmprojektes. Der südafrikanische Gründer der Imvula Pula Dance Company, Paul Modjadji, kontaktierte Nduhira Athilai und lud ihn dazu ein, bei der Doku-Serie Movement Beyond Borders Africa teilzunehmen. Der 18-minütige Dokumentarfilm zeigt ergreifende Darbietungen und Geschichten von zehn Tänzern aus sechs afrikanischen Ländern. Gemeinsam reflektieren sie die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihr Leben, ihre Kunst und ihr Umfeld. Sie teilen ihre Erfahrungen über die aktuellen Herausforderungen, darunter der Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihrer Einkommensquelle, fehlende Inspiration und ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit. Auf der anderen Seite tauschen sie sich aber auch über positive Lehren der Krise aus, beispielsweise die Wertschätzung kleiner Dinge im Leben, das Wiedererlangen spiritueller Stärke und die Hoffnung auf Heilung und Veränderung. Wenn wir dein Interesse am Projekt geweckt haben, schau dir hier die Doku auf YouTube an.

Athilai während einer Tanzperformance, Bildquelle: Nduhira Ismail Athilai
Tweyambe – Lasst uns uns selbst helfen

Neben seiner Tätigkeit als Tänzer und Unternehmer unterstützt Athilai auch hilfsbedürftige Mitmenschen. Da die Pandemie besonders bereits zuvor marginalisierte Personen in Uganda getroffen hat, ergriff er die Initiative und rief ein Hilfsprojekt mit dem Namen Tweyambe ins Leben. Das lugandische Wort Tweyambe bedeutet so viel wie Lasst uns uns selbst helfen”, was exakt das Ziel der Initiative beschreibt. Tweyambe schaffte es, 260 hilfsbedürftige Personen und Familien in verschiedenen marginalisierten Stadtvierteln in Kampala mit dringenden Lebensmittel- und Pflegepaketen zu versorgen. Leider musste das Projekt jedoch aufgrund fehlender Mittel und den strengen Einschränkungsmaßnahmen eingestellt werden.

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Kunst- und Kulturszene Ugandas

Seitdem Präsident Museveni am 18. März 2020 einen vollständigen Lockdown verkündete, sind hunderte Künstler*innen und Kunstinitiativen in Uganda mit dem Verlust ihres Einkommens und somit ihrer Existenzgrundlage konfrontiert. Wenngleich der Lockdown nur 31 Tage anhielt, haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus dauerhafte Auswirkungen auf die ugandische Kulturszene. Fast alle Großveranstaltungen, wie Konzerte, Theatervorführungen, Liveshows, Festivals, Ausstellungen und sogar Veranstaltungen im Freien wurden abgesagt, um Social Distancing Maßnahmen umzusetzen. Nach und nach verbessert sich die Situation ein bisschen: einige öffentliche Plätze sind wieder zugänglich und einzelne Veranstaltungen finden wieder statt, jedoch nur in kleinem Rahmen. Die Kreativbranche lebt davon, Menschen in großer Zahl zusammenzubringen. Nun nicht mehr auftreten, unterrichten, zusammenarbeiten und Veranstaltungen organisieren zu können, entzieht Künstler*innen und sämtlichen Kunsteinrichtungen des Landes ihre Lebensgrundlage.

Die Kunst- und Kulturszene in Uganda ist einer der Bereiche, die sozial und wirtschaftlich am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Dies führte dazu, dass viele in diesem Sektor beschäftigte Menschen ihre Arbeit verloren haben, darunter auch Athilai: “Ich habe selbst meinen Job verloren und gerade fühlt es sich so an, als würde ich auch meine Karriere verlieren… manchmal fühlt es sich so an, als ob sich die Lage nie mehr normalisieren wird. Aber 2020 hat uns auch so viel beigebracht, und das Tiefgründigste für mich war, nachzugeben und zu verstehen, dass manche Dinge jenseits menschlicher Kontrolle und Gewalt stehen. Manchmal muss man lernen, sich bescheiden dem Leben zu beugen. Sich zu versteifen, zu widersetzen und zu kämpfen würde nur bedeuten, sich selbst zu schaden.”


Aber 2020 hat uns auch so viel beigebracht, und das Tiefgründigste für mich war, nachzugeben und zu verstehen, dass manche Dinge jenseits menschlicher Kontrolle und Gewalt stehen. Manchmal muss man lernen, sich bescheiden dem Leben zu beugen. Sich zu versteifen, zu widersetzen und zu kämpfen würde nur bedeuten, sich selbst zu schaden.

Nduhira Ismail Athilai

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